Jiddisch war über Jahrhunderte die Alltagssprache der aschkenasischen Juden in Mittel- und Osteuropa. Millionen Menschen sprachen es in Städten und Schtetln von Litauen bis Rumänien, von Polen bis in die Ukraine. Heute lebt die Sprache in orthodoxen Gemeinden, in Literatur, Theater, Musik und in unzähligen Familiendokumenten weiter.
Für viele Familien sind jiddische Briefe, Tagebücher und Urkunden ein kostbares Erbe, das ohne Übersetzung unverständlich bleibt. Ein erfahrener Jiddisch Deutsch Übersetzer macht dieses Erbe wieder zugänglich.
Verwandt mit dem Deutschen, aber eigenständig
Jiddisch hat seine Wurzeln im mittelalterlichen Deutsch. Ein großer Teil des Wortschatzes ist germanischen Ursprungs, deshalb erkennen Deutschsprachige viele Wörter wieder. Hinzu kommen hebräische und aramäische Elemente, vor allem aus Religion und Gelehrsamkeit, sowie zahlreiche slawische Einflüsse aus dem Polnischen, Russischen und Ukrainischen.
Trotz der Verwandtschaft ist Jiddisch eine eigene Sprache mit eigener Grammatik, eigenen Redewendungen und eigener Literatur. Wer glaubt, Jiddisch sei einfach ein deutscher Dialekt, unterschätzt die Sprache und riskiert Fehlübersetzungen.
Hebräische Schrift
Jiddisch wird mit hebräischen Buchstaben geschrieben, von rechts nach links. Anders als im modernen Hebräisch werden die Vokale im Jiddischen aber meist ausgeschrieben. Wörter hebräischen Ursprungs behalten dagegen häufig ihre ursprüngliche Schreibweise ohne Vokale. Ein Übersetzer muss beide Systeme beherrschen und außerdem ältere Handschriften lesen können, die sich stark von gedruckten Texten unterscheiden.
Familiendokumente und Genealogie
Ein großer Teil der Aufträge betrifft Familienforschung. Nachkommen von Auswanderern und Überlebenden der Schoa entdecken Briefe, Postkarten, Tagebücher und Gemeindedokumente ihrer Vorfahren. Diese Texte sind oft handschriftlich, teils beschädigt und voller persönlicher Anspielungen. Die Übersetzung verlangt nicht nur Sprachkenntnis, sondern auch Geduld, historisches Wissen und Einfühlungsvermögen.
Viele dieser Dokumente stammen aus Polen, wo vor dem Zweiten Weltkrieg die größte jüdische Gemeinschaft Europas lebte. Offizielle Urkunden aus jener Zeit sind oft auf Polnisch ausgestellt, persönliche Briefe dagegen auf Jiddisch. Für die polnischen Unterlagen ist ein erfahrener Übersetzer Deutsch Polnisch gefragt, der mit historischen Dokumenten vertraut ist.
Einbürgerung und Wiedergutmachung
Nachkommen von NS-Verfolgten haben in Deutschland unter bestimmten Voraussetzungen einen Anspruch auf Einbürgerung. Für die Antragstellung werden häufig alte Familiendokumente benötigt, die auf Jiddisch, Hebräisch, Polnisch oder Russisch verfasst sind. Eine sorgfältige und gegebenenfalls beglaubigte Übersetzung ist dabei entscheidend.
Jiddisch und Hebräisch
Jiddisch und Hebräisch verwenden dieselbe Schrift, sind aber völlig verschiedene Sprachen. In Familiennachlässen finden sich oft Dokumente in beiden Sprachen, etwa religiöse Texte auf Hebräisch und Briefe auf Jiddisch. Ein Dienstleister, der auch einen erfahrenen Übersetzer Hebräisch Deutsch anbietet, kann solche gemischten Bestände vollständig bearbeiten.
Literatur und Kultur
Die jiddische Literatur ist reich und vielfältig, von Scholem Alejchem über Isaac Bashevis Singer bis zu zeitgenössischen Autorinnen und Autoren. Auch jiddische Lieder, Theaterstücke und Filme werden übersetzt und neu entdeckt. Das YIVO Institute for Jewish Research ist eine der wichtigsten Einrichtungen zur Erforschung und Bewahrung jiddischer Sprache und Kultur.
Worauf es bei der Übersetzung ankommt
- Sichere Lesefähigkeit von Handschriften in hebräischer Schrift
- Kenntnis der verschiedenen jiddischen Dialekte, etwa litauisch, polnisch oder ukrainisch geprägt
- Verständnis hebräischer und slawischer Lehnwörter
- Historisches Wissen über jüdisches Leben in Osteuropa
- Sensibilität im Umgang mit Familiengeschichten
Jiddisch heute
Jiddisch ist keineswegs nur eine Sprache der Vergangenheit. In chassidischen Gemeinden in New York, Antwerpen, London und Israel wird es bis heute im Alltag gesprochen, und Kinder wachsen mit Jiddisch als Muttersprache auf. Es erscheinen Zeitungen, Bücher und Onlineinhalte auf Jiddisch. Auch an Universitäten in Deutschland, etwa in Düsseldorf oder Trier, wird Jiddisch gelehrt und erforscht. Übersetzer arbeiten deshalb nicht nur mit alten Briefen, sondern auch mit modernen Texten, etwa Verträgen, Schulunterlagen oder behördlicher Korrespondenz aus diesen Gemeinschaften.
Kosten und Bearbeitungszeit
Die Kosten hängen stark vom Zustand der Dokumente ab. Ein gut lesbarer gedruckter Text ist schneller übersetzt als eine verblasste Handschrift aus dem 19. Jahrhundert. Viele Anbieter sehen sich die Unterlagen zunächst an und erstellen dann ein individuelles Angebot. Planen Sie für umfangreiche Familiennachlässe ausreichend Zeit ein, denn sorgfältige Arbeit mit historischen Quellen lässt sich nicht beschleunigen, ohne an Genauigkeit zu verlieren.
Hinweise zur Vorbereitung
Scannen Sie Dokumente in hoher Auflösung und in Farbe, damit auch blasse Tinte gut erkennbar ist. Notieren Sie, was Sie über die Herkunft der Dokumente wissen, etwa Namen, Orte und ungefähre Jahreszahlen. Diese Angaben helfen dem Übersetzer, unklare Stellen richtig zu deuten. Auch Fotos von Umschlägen und Rückseiten können wertvolle Hinweise auf Absender und Datum enthalten.
Transkription und Übersetzung
Bei schwer lesbaren Handschriften erfolgt oft zuerst eine Transkription, also eine Abschrift in gut lesbarer Form. Danach folgt die Übersetzung ins Deutsche. Auf Wunsch wird zusätzlich eine lateinische Umschrift des jiddischen Textes erstellt, damit auch Familienmitglieder ohne Hebräischkenntnisse den Originalklang nachvollziehen können.
Die fertige Übersetzung kann auf Wunsch zweispaltig gestaltet werden, mit Original und deutscher Fassung nebeneinander.
Den richtigen Übersetzer finden
Qualifizierte Jiddisch-Übersetzer sind selten. Die Jiddisch-Übersetzungen von PoliLingua werden von Spezialisten erstellt, die Handschriften, historische Dokumente und Literatur übertragen, auf Wunsch auch beglaubigt.
Fazit
Jiddisch ist eine Sprache voller Geschichte, Humor und Wärme. Eine gute Übersetzung bewahrt nicht nur die Worte, sondern auch die Stimmen der Menschen, die sie geschrieben haben.
